Im Mittelfeld - Dritte, aktuelle Auflage der Creditreform-Studie "Wirtschaftsdynamik in der Region Bonn/Rhein-Sieg" zeigt nachlassende Kraft

 

Weitere Stärkung der IT-Wirtschaft durch Digitalen Hub

Die Wirtschaftsdynamik in der Stadt Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis hat spürbar nachgelassen. "Wir stellen fest, dass der Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg bei vielen wichtigen Kennzahlen nachlässt und im Städte- und Regionenvergleich ins Mittelfeld absackt", fasst Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn Domschke & Rossen KG, die aktuelle Studie "Wirtschaftsdynamik in der Region Bonn/Rhein-Sieg 2010-2016" zusammen. Ein besonders schwaches Bild geben Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis beim Wachstum ab: Sowohl das reale Bruttoinlandsprodukt als auch das Pro-Kopf-Wachstum fallen in den meisten Vergleichsregionen deutlich stärker aus. In Sachen Gründungen ist die Lage mit Rossens Worten von einer "alarmierend schwachen Dynamik" geprägt. Es gibt indes auch positive Nachrichten: Seit 2013 sinkt in Bonn und Rhein-Sieg die Ausfallquote, das heißt die Zahl der Unternehmen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können, nimmt ab. Das gleiche gilt fürs Zahlungsverhalten: Bereits seit sechs Jahren geht der Anteil überfälliger Rechnungen zurück, ebenso ist die Zahlungsverzugsdauer rückläufig, die Firmen erhalten also schneller ihr Geld aus ausstehenden Forderungen.

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg setzt bei ihren Aktivitäten insbesondere auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Gründungsgeschehen: "Wir müssen stärker und früher in der Region für die Selbstständigkeit und Unternehmensgründungen werben, wobei der robuste Arbeitsmarkt hier eher hinderlich ist", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille. Wichtige Maßnahmen seien hier schon auf den Weg gebracht worden: "Durch die Vernetzung vieler Akteure aus der Region in der Initiative "Digitales Bonn" und der Gründung des Digitalen Hubs Region Bonn ist das Thema Digitalisierung für StartUps, Gründer und etablierte Unternehmen voran getrieben worden. Des Weiteren haben wir bereits bestehende IHK-Formate, wie Ideenbörsen und der Ideenmarkt um weitere Angebote erweitert." In Kooperation mit den Hochschulen widmet sich die IHK Bonn/Rhein-Sieg auch vermehrt Ausgründungen aus dem Bereich der Wissenschaft und schafft somit eine bessere Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft.

Neben dem Gründungsgeschehen setzt die IHK einen eigenen Schwerpunkt in der Region Bonn/Rhein-Sieg mit Aktivitäten in der Unternehmensnachfolge als Alternative zur Neugründung. "Hier haben wir mit dem IHK-Nachfolge-Pool, der IHK-Nachfolge-Börse im Internet und dem Nachfolgehandbuch unser Angebot deutlich ausgeweitet", sagt Regina Rosenstock, Gesamtbereichsleiterin Unternehmensförderung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. "Wir möchten damit auf ca. 12.500 Unternehmensübernahmen in den nächsten fünf Jahren vorbereitet sein und sowohl abgebende Unternehmen wie auch Käufer bei dem Vorhaben unterstützen."

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen

Wirtschaftsstruktur

Nichts geändert hat sich an der Wirtschaftsstruktur der Region Bonn/Rhein-Sieg: Sie ist kleinteilig und vielseitig. Gut vier von fünf Unternehmen erzielen einen Jahresumsatz von unter 500.000 Euro. Nur in Berlin finden sich noch weniger Großunternehmen. Schwerpunktbranchen sind Dienstleistungen und Handel. Das produzierende Gewerbe ist in Bonn und Rhein-Sieg dagegen unterrepräsentiert. Die meisten der hier ansässigen Firmen sind alteingesessen, also mindestens zehn Jahre alt, oder gar Traditionsunternehmen, sprich: 25 Jahre oder älter.

Risikoprofil

Seit 2013 sinkt die Ausfallgefahr der Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg. Zum Jahresende 2016 konnten nur 1,57 Prozent der hiesigen Betriebe ihren Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen. Lediglich bei den Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 500.000 Euro stieg die Ausfallquote, außerdem hat sich das Risikoprofil in der für Bonn wichtigen IT- und Gesundheitswirtschaft leicht eingetrübt.

Finanzielle Risikotragfähigkeit

Die Eigenkapitalquote der Firmen in Bonn/Rhein-Sieg hat sich zwischen 2013 und 2014 (neuere Zahlen liegen nicht vor) deutlich auf 24,6 Prozent erhöht. Allerdings liegen die hiesigen Unternehmen damit nach wie vor unter dem Bundesdurchschnitt (28,3 Prozent). Zurückgegangen ist die Eigenkapitalausstattung der IT- und Gesundheitsunternehmen in Bonn/Rhein-Sieg, doch liegt sie immer mit 28,5 bzw. 36,5 Prozent über der durchschnittlichen Eigenkapitalquote der deutschen Gesamtwirtschaft. Erhöht hat sich die Gesamtkapitalrendite der Regionalwirtschaft, hier schneiden die Firmen in Bonn/Rhein-Sieg besser ab als die deutsche Gesamtwirtschaft. Auch die hiesige IT- und Gesundheitswirtschaft erzielt eine überdurchschnittliche Gesamtkapitalrendite.

Zahlungsverhalten

Bei diesem wichtigen Strukturfaktor schneiden Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis gut ab. Seit dem vierten Quartal 2010 ist der Anteil überfälliger Rechnungsbelege von 37,7 auf 15,2 Prozent beträchtlich gesunken. Dennoch sind die hiesigen Firmen mit einer etwas schlechteren Zahlungsmoral konfrontiert als die deutsche Gesamtwirtschaft, bei der der Anteil auf 12,7 Prozent schrumpfte. Rückläufig ist in Bonn/Rhein-Sieg und bundesweit auch die durchschnittliche Zahlungsverzugsdauer. Ende 2016 lag sie in Bonn/Rhein-Sieg bei 10,5, in Deutschland bei 9,2 Tagen. Zwischen 2010 und 2012 war sie in der Region noch von 14 auf 20 Tage gestiegen, im Bund von etwa 12,5 auf 15 Tage. Je niedriger die Ausfallquote und die Zahlungsverzugsdauer, über desto mehr Liquidität verfügen die Firmen.

Wachstum

Das reale Bruttoinlandsprodukt in Bonn/Rhein-Sieg stieg zwischen 2013 und 2014 (neueste Zahlen) um drei Prozent. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Mit diesem moderaten Wachstum liegt die Region im letzten Drittel des breit angelegten Städte- und Regionenvergleichs der Creditreform-Studie. Außerdem fällt auf, dass die Wirtschaft in Bonn schwächer gewachsen ist als im Rhein-Sieg-Kreis. Auch das Pro-Kopf-Wachstum liegt in vielen Vergleichsregionen deutlich über demjenigen in Bonn/Rhein-Sieg. Im internen Vergleich schneidet hier allerdings Bonn deutlich besser ab als der umgebende Landkreis: In der Bundesstadt ist die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung 2,6 Mal größer als im Rhein-Sieg-Kreis. Die Stadt Bonn rangiert hier sogar vor dem wohlhabenden München.

Gründungsgeschehen

Die Gründungsdynamik ist in allen untersuchten Städten und Vergleichsregionen höher als in der Bonner Region. Besonders groß ist der Abstand zu Hamburg und Frankfurt am Main, aber auch in kleineren Vergleichsregionen und -städten wie Mannheim-Ludwigshafen und Dortmund herrscht ein deutlich günstigeres Gründungsklima mit attraktiveren Rahmenbedingungen. Immerhin: In Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis scheitern weniger Gründer als in den Metropolen - die Ausfallquote unter den hiesigen Gründerinnen und Gründern ist dabei sogar rückläufig.

IT-Wirtschaft

Zu den Stärken der Wirtschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg zählt die große Präsenz der IT-Wirtschaft. Ihr Anteil am Unternehmensbesatz hat zwischen 2010 und 2016 fast kontinuierlich zugenommen und liegt aktuell bei nahezu 3,3 Prozent. In Deutschland insgesamt sind es lediglich 2,5 Prozent. Die Ausfallquote in dieser Branche ist in der hiesigen Region im letzten Jahr von 0,87 Prozent auf aktuell 1,06 Prozent angestiegen und hat sich damit dem deutschlandweiten Niveau (1,11 Prozent) angenähert. Von 2013 auf 2014 hat sich die Eigenkapitalquote (28,5 Prozent) ebenso wie die Gesamtkapitalrendite (7,7 Prozent) rückläufig entwickelt. Das IT-Cluster in Bonn/Rhein-Sieg positioniert sich 2014 damit eng am bundesweiten Durchschnitt. "Bei Gründungen zeigt sich die hiesige IT-Wirtschaft dynamischer als die Gesamtwirtschaft in der Region und in Deutschland", betont Rossen. Der Anteil der IT-Neugründungen an allen IT-Firmen beträgt hier rund 2,3 Prozent - gegenüber zirka 1,6 Prozent bei der regionalen Gesamtwirtschaft.

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